Dezember 1944 von Kath. Neugebauer, Ihren

St. Vith war in Schutt und Asche bombardiert worden. Der Ami war überall auf dem Vormarsch. Was die an Material und Menschen mitführten, war unvorstellbar. Ich erinnere mich noch genau, wo die Amis bei uns mit Gewehrkolben die Haustür aufstießen und mit aufgepflanztem Bajonett Kontrolle machten. Alle Schränke mussten aufgemacht werden, es hätten womöglich darin ein deutscher Soldat versteckt sein können. Es wurde nichts gefunden, kein Hakenkreuze oder sonstige Hinweise die verräterisch sein konnten. Der Vormarsch der Amis war sehr vorsichtig, trotz aller Übermacht gegenüber den Deutschen. Man war sich nicht im Klaren, wie der Westwall mit Waffen bestückt war.

Nach dem Bombenangriff auf St. Vith kam eines Tages eine Flüchtlingsfamilie querfeldein bei uns mit ihren Habseligkeiten an und baten um eine Unterkunft. Sie waren durch Wälder und Felder geflüchtet, um ja keine Straße zu benutzen, verängstigt und müde. Der Schrecken der Vortage lag noch in ihren Gesichtern. Wie die Gespräche ergaben, waren die Leute aus Hontheim. Die hatten sich Unterstände in der Schneifel gebaut und hausten dort. Sie dachten, der Vormarsch der Amis ginge zügig voran. Aber es kam ganz anders, hatten nie an einen Rückzug der Amis gedacht. So wurden sie nach St. Vith evakuiert und wurden dem Kloster zugeteilt, konnten auch dort alle zusammen bleiben. Nach dem Angriff war auch dort keine Bleibe mehr. Also vergrößerte sich unsere Familie um 3 Erwachsene und 3 Kinder. Dann war noch eine Familie aus Habscheid mit 4 Personen bei uns. Mit uns waren wir dann zu 15 Leuten am Tisch. Alles wurde geteilt. Gekocht wurde jeden Tag. Es war nicht gerade üppig, das Einfache war in dem Sinne gut. Wir hatten im Herbst mit Hilfe deutscher Soldaten noch alle Kartoffeln geerntet, was ein Glück war. Auch von den Amis fiel schon mal was ab für den "armen Lazarus". Die Einheiten wechselten ja dauernd. Da gab es solche die hart waren gegenüber der Not, aber auch andere.

 

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