Schulen nach dem Krieg von Pfarrer Franz Kelkel

Bei der ersten Volkszählung nach dem Kriege zählte die Gemeinde Winterspelt 748 Einwohner, 323 männliche, 425 weibliche. Dieser Überschuss an weiblichen Personen verringerte sich nach und nach durch die Heimkehr von ca. 50 ehemaligen Soldaten aus der Gefangenschaft.

Die alte Schule, 1902 erbaut, war Zeuge zweier Kriege geworden. Das laute Kriegsgetümmel zog jedes Mal dicht an ihren Fenstern vorbei. Doch der Wucht des letzten Krieges vermochte sie nicht ganz zu widerstehen. Gleich die erste Bombe am zweiten Weihnachtstag 1944 hatte die Lehrerwohnung in Trümmer gelegt und ein großes Loch in die Ostwand des Schulsaals gerissen. Der Unterricht hatte wegen der Frontnähe schon Anfang September 1944 eingestellt werden müssen.

Der Schulbeginn war allgemein auf den 1.Oktober 1945 festgelegt worden. In Winterspelt war er aber erst 7 Wochen später möglich, und nur behelfsweise in einer Bauernstube, zunächst bei Peter Mausen, später bei Lücker im hinteren Dorf.

Auch die Schule in Elcherath war ziemlich mitgenommen, Lehr- und Lernmittel waren verschwunden. Nachdem die gröbsten Schäden an Dach, Fenstern und Heizung beseitigt waren, konnte dort im Januar  1946 der Unterricht wieder beginnen. Wegen der beengten Verhältnisse in Winterspelt gingen die Schulkinder von Ihren und Wallmerath (letztere bis 1945) in Elcherath zur Schule. 1950 wurde der Schuljahresbeginn allgemein vom Herbst auf Ostern gelegt.

Der Schulunterricht in diesen ersten Nachkriegsjahren erweckte überall, besonders in Winterspelt, den Eindruck besonderer Armseligkeit. Das Inventar bestand hier nur aus einigen Stühlen mit draufgelegten Brettern. Die Kinder bemühten sich, zu schreiben, die mitgebrachten Schieferstücke auf den Knien haltend. Nicht einmal eine Wandtafel war vorhanden. Zur Herstellung behelfsmäßiger Bänke fehlte der  Strom. Im Januar 1946 hatte wenigstens jedes Kind ein Schreib- und Sitzgelegenheit. Oberstufe und Unterstufe hatten je 2 Stunden Unterricht.

Unter der materiellen Notlage der ersten Nachkriegszeit, unter der jeder zu leiden hatte, wurde an eine Wiederherstellung der alten Schule nicht gedacht. Erst, als immer wieder die Schule ausfallen musste, ging man an's Werk. Im Herbst 1947 war der Zustand in dem engen Behelfsraum bei Lücker immer unerträglicher geworden. Jedoch bedurfte es wiederholter Beschwerden und eines Schulstreiks, bis im Dezember das Schulhaus soweit hergerichtet war, dass man einziehen konnte. Die Wände waren zum Teil noch unverputzt. Das Mobiliar bestand aus vier langen zerbrechlichen Bänken, bei denen die Sitzbretter durch Holzklötze gestützt werden mussten. Für den Lehrer fehlte jede Sitz- und Schreibgelegenheit.