Begegnung mit dem späteren Generalfeldmarschall Erwin Rommel in Winterspelt

Erinnerungen von Paul Fink Seite

Vom ersten Februar bis ersten November 1940 habe ich als „Kiijong“ (Hütebub) in dem landwirtschaftlichen Betrieb des „Renken Pauel “, (Paul Jänen), das war das Elternhaus des Renken Hubert, dem Namensgeber des jetzigen Haus Hubertus, gearbeitet. Für Leute, die heute über die Bezahlung von Zwangsarbeitern (0,60 RM Stundenlohn) von Ausbeutung reden, ist sicher auch interessant, dass mein Monatslohn damals bei einem Bett auf der Treppe und dem täglichen Essen 5,00 RM betrug. Der „Renkenschuster“, der damals noch als Junggeselle in seinem Elternhaus lebte und seine Schusterwerkstatt über dem Stall hatte, musste mir dazu noch ein paar genagelte Lederschuhe machen.

   Im Winter des Jahres 1940 war das Leben in der Gemeinde wesentlich von der sehr hohen Einquartierung geprägt. In Winterspelt und den umliegenden Dörfern war ein Infanteriebataillon, das nach dem Polenfeldzug nach hier verlegt worden war, einquartiert. In fast jedem Haus gab es mehr Soldaten als die sonstigen Hausbewohner, und da alles in diesem Bataillon mit Reit- und Spannpferden ablief, waren auch fast alle Ställe überbelegt. Die einzelnen Kompanien verbrachten die Tage mit Gelände- und Reitübungen und wir fühlten uns wie auf einem Truppenübungsplatz, was uns Jungen nicht unwillkommen war.

   Im Frühjahr merkte man dann auch, dass hier offensichtlich Bereitstellungsraum war, denn es waren weitere Einheiten dazu gekommen. Neben der Kirche waren die Geschütze einer 10,5 Artilleriebatterie abgestellt.

   Fast alle Jungen und Männer standen abends an bestimmten Orten in den Dörfern zusammen und begutachteten das militärische Treiben und diskutierten die Lage. Der abendliche Treffpunkt in Winterspelt war die Tankstelle Mayer im heutigen Haus Kirsch. In diesem Haus Mayer war eine Gaststätte, ein Lebensmittelgeschäft und an der Strasse, unmittelbar am Markt – Kirmesplatz, eben diese Tankstelle, an der man noch mit einem Handschwengel je ein Fünfliterglas vor dem Einfüllen aufpumpen musste.


Seite 2