Kriegsbericht ein Zeitzeuge berichtet

Kriegsbericht - Nikolaus Holper - Langenich

Ich wurde am 18.04.1945 in Altdam verwundet, das ist ein Städtchen bei Stettin. Zwei Mann von der Infanterie haben mich bis zu Verbandsplatz zurückgetragen. Hier habe ich nur kurze Zeit gelegen. Da Verdacht auf Bauchschuss bestand, wurde ich wieder mit der Tragbahre zurück gebracht. Plötzlich hörte ich ein Motorrad neben uns, es war ein Melder von unserer Einheit. Er hat mich mit der Tragbahre auf den Seitenwagen gelegt und festgebunden, die Fahrt ging los. Wir mussten über die Brücke nach Stettin. Die Straße lag unter Feindeinsicht. Wir sind gut in Stettin angekommen. Alle Lazarette waren überfüllt. Zum Schluss fanden wir doch noch einen Platz. Man hat mich vor den OP gestellt. Hier stand ich nur kurze Zeit, dann kam ich in ein Zimmer.

Am Abend bekam jeder eine Spritze. Da ich neu eingeliefert war, musste die Schwester erst den Arzt fragen, ob ich auch eine Spritze bekomme. Die Schwester war weg und alles war ruhig. Dann kam eine andere Schwester an die Tür und fragte: „wer hat hier noch keine Spritze"? Ich meldete mich sofort. Die Schwester hat keine Fragen gestellt und gab mir eine Spritze, dann ging sie wieder. Ein paar Minuten später kam die eine Schwester wieder. Zunächst stand sie an der Tür, schaute auf mein Bett und fragte: „was ist mit Ihnen los"? Ich sagte: „Ich habe nicht auf sie gewartet, ich habe schon eine Spritze". Sie ist direkt raus. Nach ein paar Minuten kamen 5 Ärzte. Sie stellten sich um mein Bett herum und fingen an zu tuscheln. Ich konnte sie nicht verstehen. Dann gingen sie wieder. Jedenfalls habe ich die Nacht einigermaßen überstanden. Ich weiß es nicht mehr so genau, aber ein oder zwei Tage später kam morgens ein Arzt und sagte: "Alles was transportfähig ist kommt in den Lazarettzug, das ist der letzt der von Stettin weg fährt, alles andere wird den Russen überlassen". Die Ärzte gingen an jedes Bett. Da ich zu schwer verletzt war, war ich nicht transportfähig.

 

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